Auf dem Weg nach Hause, radelte ich durch die Innenstadt. Die Sonne strahlte die Straßen und Gesichter an, die Bäume wurden vom Wind angeweht und alles schien so schön als mir der Name "Kauf dich Glücklich" in den Sinn schoss. Der Laden ist in der Ehrenstraße und wahrscheinlich schon einigen aufgefallen. Die Formulierung wollte nicht meinen Kopf verlassen, denn irgendwie fühlte es sich nicht nach einer regulären Vermarktung oder Romantisierung von Produkten an. Im Satz steckt was unheimliches. Möglicherweise liegt es auch an der eigenen politischen Orientierung und eine Aperol-Agathe würde sich wahrscheinlich wirklich glücklich kaufen können, doch die verschleierte Botschaft, dass ich mich gar nicht durch die Produkte, sondern allein durch den Akt des Kaufs glücklich machen kann, hinterließ einen kalten Schauer. Es spiegelt genau die Vorstellung von materiellem Spiritualismus von Marx, wieder. Denn hier wird kein Produkt, ja nicht mal ihr Eigenes, schöngeredet. Es wird nur ein möglicher Akt, es sei denn man kann sich nichts kaufen, mit einer menschlichen Emotion belohnt. Der Geist wird somit Mittel zum Zweck. Gruselig… Klar ist das eine banale Spiegelung von kapitalistischer Wirtschaftspsychologie und es gibt etliche Beispiele, die noch viel beängstigender sind. Doch mich hats besonders mitgenommen, da es auch eine gewisse Selbstreflexion des Unternehmens andeutet, die wiederum so befreit von Moral ist, wie Unternehmen es eben sind, dass es eine geistliche Funktion als Belohnung vermarktet. Wie Pavlovs Hund, werden wir mit Glückseligkeit belohnt, wenn wir Einkaufen.
Naja, vielleicht dachten sich das bereits alle und ich komme jetzt erst damit an. Ich liebe es halt auch zu Shoppen aber das müssen die Unternehmen ja nicht wissen.