Rezension: Der PLATZ von Annie Ernaux

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★★★★☆

"Vielleicht sein größer Stolz, sogar sein Lebenszweck: dass ich eines Tages der Welt angehöre, die auf ihn herabgeblickt hatte."(S.94)

Eine fragmentarische und zu großen Teilen unemotionale Aufarbeitung des Lebens einer bürgerlichen Familie. Die Geschichte ist aus Sicht der Protagonistin geschrieben. Sie gibt uns einen Einblick in die Geschichte der Mutter und des Vater, wobei der Fokus eher auf dem Vater liegt. Die meisten Szenen spielen sich in ihrem Elternhaus ab. Ihre Familie ist nicht gerade Wohlhabend, doch sie schaffen es durch eine Kneipe sowie einen kleinen Lebensmittel Laden sich nach oben in die Mittelschicht zu arbeiten. Oder zumindest Versuchen sie das.

Der Roman zeigt, dass für die Mittelschicht oder das Bürcherliche-Leben das passende Geld nicht genügend ist. Es ist ein Kampf von Konvention und Tradition. Die Veränderung des Bürgertums und das zurückgelassen werden der Eltern. Zurückgelassen im Sinne der Sprache und der bürgerlichen Konventionen.

Der krampfhafte Versuch des Vater sich anzupassen. Nicht aufzufallen. Niemand soll merken, dass er aus einer anderen Klasse stammt. Das ständige Vergleichen mit den Nachbarn. Am besten soll alles genau so sein wie bei den umliegenden Familien. Aber nicht nur in seinem eigenen Kopf geschieht das.

Es beschreibt das dörfliche Leben und die bücherliche Überwachung. Nachbarn die am Garten vorbei laufen um zu prüfen, dass auch alles gut gepflegt wird. Die verkrampfte Welt sich selbst zu überwachen und mit diesem Druck, die Überwachung auch auf andere zu übertragen. Die Verbreitung von Informationen in Dörfern. Jeder will bescheid Wissen. Nichts darf verheimlicht werden, und wenn dies getan wird, dann werden Vermutungen angestellt.

Ein Buch getränkt von Scham gegenüber der eigenen Herkunft und Klasse. Die Geschichte eines Vaters der es nie ganz schafft sich dem bürgerlichen Durchschnitt anzupassen. Sich immer ausgeschlossen zu fühlen.

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