Notizen zu: Richard Sennett, Der flexible Mensch

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Richard Sennett, Der flexible Mensch

Def. Postindustrieller Kapitalismus: Kapitalisten beherrschen nicht nur Maschinen, sondern auch Kommunikation und technisches Wissen

Auflösung von starren Bürokratien hin zu Flexibilität und Risiko verspricht mehr Freiheit in der Lebensgestaltung – eigentlich werden aber neue Kontrollen der alten Regeln geschaffen

Kapitel 1 – Drift

Zeit als die Ressource, die als einzige den Menschen am unteren Rand der Gesellschaft zur Verfügung steht – Bürokratische Struktur als "Gehäuse" (Max Weber), das den Gebrauch der Zeit rationalisiert und in welchem man sie nutzbringend anlegen kann (S.16)

fremdbestimmte Zeiteinteilung ist also eng mit der Angst vor Kontrollverlust verbunden – Selbstständige Tätigkeiten gewinnen an Beliebtheit, obwohl mehr Aufwand darin steckt

Konkurrenzkampf der modernen Wirtschaft und darauf abgestimmter Lebensstil führen zu Verlust jeder Sicherheit und Zustand des Dahintreibens Gemeinschaftsgefühl wird versucht über elektronische Kommunikation herzustellen

Postmodernes Motto: "Nichts Langfristiges"

Regime der Kurzfristigkeit wird von Umbau der Unternehmensstrukturen begleitet: Bürokratien werden zugunsten von flacheren, flexibleren Organisationen abgebaut – "Flexible Institutionen sind leichter zu verändern oder abzuschaffen; ihre Lebensdauer lässt sich verkürzen." (S.27)

Mark Granovetter: Moderne institutionelle Netzwerke sind gekennzeichnet durch "die Stärke schwacher Bindungen": flüchtige Formen von Gemeinsamkeit erweisen sich als nützlicher, starke soziale Bindungen (zB. Loyalität) verlieren an Bedeutung – Ausdruck dieser schwachen Bindungen ist die Teamarbeit mit stetig wechselnden Zusammensetzungen Distanz und oberflächliche Kooperationsbereitschaft verdrängen Loyalität und Dienstbereitschaft

Entfernung von Arbeit und Privatleben, während sich die Arbeit konstant in jenes einschleicht

Prinzip des Neustarts – Vergangenes wird immer der Sphäre des Vergessenen überlassen

Der moderne Kapitalismus birgt in seiner Form eine Ungewissheit, die früher nur bei historischen, konkreten Katastrophen auftrat

Kapitel 2 – Routine

Diderot: Verteidigung der Arbeitsroutine, als Möglichkeit des Lernens – Annahme: die Wiederholung lehre den Menschen, eine gegebene Aktivität zu verändern, durch Rhythmus und Wiederholung kann der Arbeiter bei seiner Tätigkeit "Einheit von Geist und Hand" erreichen, sie können die Arbeitsvorgänge kontrollieren und Ruhe finden – Beispiel der Schauspielens: durch ständiges Wiederholen, wird eine Rolle nach und nach ergründet Smith (Wohlstand der Nationen): Routine stumpfe den Geist ab – das Wachsen freier Märkte ist an die gesellschaftliche Arbeitsteilung gekoppelt – wichtigste aller modernen Arbeitsteilungen ist die Trennung von Heim und Arbeit, Routine wird ab bestimmten Punkt selbstzerstörerisch, weil der Mensch die Kontrolle über die eigenen Handlungen verliert, dies bedeutet geistiges Absterben – Arbeitsteilung vermindert Spontanität und stumpft so das moralische Gefühl und die Fähigkeit zum Mitgefühl im Menschen ab

Smiths Misstrauen gegenüber der routinegeprägten Zeit bündelte sich im Fordismus – Gebrauch komplizierter Maschinerie zur Vereinfachung menschlicher Arbeit Maschinen können kompliziert sein, ohne dass Arbeitende sie verstehen – gesteigerte Effizienz durch fehlende Ablenkung – Intelligenz wird aus Fabrikationsprozess abgezogen

"Versklavung der Zeit durch Routine" (S.51)

Depression durch Eintönigkeit führt zu verminderter Produktivität

"Routine kann erniedrigen, sie kann aber auch beschützen. Routine kann die Arbeit zersetzen, aber auch ein Leben zusammenhalten." (S.54) Routine erschwert die Vorstellung einer anderen Zukunft: "mechanisches Handeln vermag keine allgemeinere historische Erzählung hervorzubringen." (S.55)

Kapitel 3 – Flexibilität

Flexibilität ist sowohl Prüfung als auch Wiederherstellung einer Form Sie ist die Antwort auf die Über der Routine

Flexibilität besteht aus drei Elementen: diskontinuierlicher Umbau von Institutionen, flexible Spezialisierung der Produktion und Konzentration der Macht ohne Zentralisierung

Verständnis langfristiger Zeit wird erschwert

Durch flexiblen Wandel werden Institutionen unwiderruflich verändert, sodass keine Verbindung mehr besteht zwischen Gegenwart und Vergangenheit – Versprechen von Effizienz durch Bruch mit Vergangenem (re-engineering)

Flexibilität als das Ende des organisierten Kapitalismus

Wandel weckt den Anschein von Erfolg – dies führt zu gesteigerter Marktfähigkeit durch Wandel, egal welcher Art

Strategie der permanenten Innovation: Anpassung an den dauernden Wandel anstelle des Versuchs, ihn beherrschen zu wollen

"Die Form der flexiblen Produktion in einer Gesellschaft hängt von der Organisation der Macht in dieser Gesellschaft ab." (S.69)

Flexible Arbeitszeit als ungleich verteilte Belohnung für privilegierte Arbeitskräfte Flexibilität gilt für Ort der Arbeit, nicht aber für Kontrolle über den Arbeitsprozess selbst – gesteigerte Überwachung der Arbeitskräfte außerhalb des Büros – "Die Arbeit ist physisch dezentralisiert, die Macht über den Arbeitnehmer stärker zentralisiert worden. Heimarbeit ist die endgültige Insel des neuen Regimes." (S.75)

Flexibilität bedeutet also eigentlich: Fehlen langfristiger Bedingungen und Hinnahme von Fragmentierung

Kapitel 4 – Unlesbarkeit

"Im flexiblen Regime ist das, was zu tun ist, unlesbar geworden." (S.81)

Amerika versteht sich selbst (im Denken) als klassenlose Gesellschaft ("Demokratie der Konsumenten")

Race und materielle Umstände definierten Klassenzugehörigkeit – dadurch wird die Arbeitserfahrung zu etwas sehr persönlichem – dies gilt auch heute noch – sie prägt ihren Rang in der Gesellschaft (S.91)

Der Begriff Unlesbarkeit ersetzt für Sonett den marxschen Begriff der Entfremdung: die Identifizierung mir der eigenen Arbeit bleibt aus ("schwache berufliche Identität"), es fehlt an Berührung, es fehlt an praktischem Wissen (alles wird an Maschinen abgegeben), ihre Tätigkeit ist ihnen nicht mehr verständlich,

Intelligenz der Maschinen kann die ihrer Benutzenden ersetzen In schwierigen Momenten fühlen sich die Arbeitenden von ihrer Arbeit ausgeschlossen, was auf ihr Selbstbewusstsein zurück fällt

"Flexibilität schafft Unterschiede zwischen Oberfläche und Tiefe; die weniger mächtigen Untertanen der Fexibilität sind verurteilt, an der Oberfläche zu bleiben." (S.96) – Flexibilität ist die Verbindung von Fließendem und Oberflächlichem

Kapitel 5 – Risiko

fehlen objektiver Maßstäbe für die eigene Tätigkeit – Gefühl, ständig auf dem Prüfstand zu stehen (Entwertung der eigenen Leistung)

Alles ist auf den unmittelbaren Augenblick fixiert – "Das Risiko wird zu einer täglichen Notwendigkeit, welche die Masse der Menschen auf sich nehmen muss." (S.105) – Das Jetzt ist dem Zufall überlassen, das Ergebnis zeigt sich erst im Nachhinein

Sich jeden Tag aufs neue beweisen zu müssen führt zur Zerstörung des Selbstverständnisses

Psychologisch konzentrieren sich die Menschen beim Risiko nicht auf die Möglichkeit des Gewinns, sondern die des Verlusts – Begleitet von der Sehnsucht, alles möge gut ausgehen

Moderne Institutionen fordern as Risiko, denn sie sind selbst nicht klar definiert; sie lehnen jede Routine ab, sie betonen kurzfristige Aktivitäten, sie schaffen amorphe, hochkomplexe Netzwerke anstelle straff organisierter Bürokratien – Die Gesellschaft dereguliert Zeit und Raum und schafft so die Bedingung für Risiken (S.111)

Ungewissheit steigert die Bewegungsmöglichkeit

Schon das versäumen des Wechsels erscheint als Zeichen des Misserfolgs – Stabilität ist gleich Lähmung – Nichts zu tun erscheint eher passiv als vorsichtig

Überqualifizierung ist ein Symptom der Risikogesellschaft(Die Elite definiert sich über formale Bildung) – Flexibilität verstärkt Ungleichheit

Erfahrung wird abgewertet, ältere Arbeitende gelten als unflexibel, geistig eingefahren und ihnen fehle die Energie, mit modernen Anforderungen fertig zu werden: "Jugend ist gleich Flexibilität, Alter gleich Erstarrung." (S.124) – Flexibilität der Jugend ist formbarer und leistet fragloseren Gehorsam

"Im neuen Regime zählen nur unmittelbare Fähigkeiten." (S.128) – Fähigkeitsverlust

Kapitel 6 – Das Arbeitsethos

Desorganisation der Zeit: Kurzfristigkeit, Orientierungs-, Strutur- und Routinelosigkeit in der Ökonomie führt zu Oberflächlichkeit und verunmöglicht tiefere Erfahrungen Organisation der Zeit war früher ein Mittel, mit seinem Selbst und innerer Unruhe fertig zu werden – Selbstdisziplin (zb. durch Zeiteinteilungen wie Kirchenglocken) – aufgrund von Sorge um inneres und äußeres Chaos – Disziplinierter Zeitgebrauch

Heute definiert aufgeschobene Belohnung den Wert

Früher definierten Menschen ihren Wert über ihre Arbeit – Max Weber "weltliche Askese" In Webers protestantischer Ethik, fallen Selbstdisziplin und Selbstschöpfung zusammen "Schiebe nichts auf" wird im Kapitalismus zu "Du musst aufschieben" – nämlich den Wunsch nach Befriedigung und Erfüllung – doch diese Aufschiebung hat nie ein Ende, während die gegenwertige Selbstverleugnung schonungslos ist Übers These wird häufig verstanden als: "Der Protestant des 17. Jh. versuchte seinen Wert vor Gott zu beweisen, indem er sich selbst disziplinierte." (S.138) Selbstverleugnung & Selbstdisziplinierung durch Arbeit statt durch Buße – "weltliche Askese": Sparen statt Ausgeben & Genießen, Routinisierung alltäglicher Handlungen, Furcht vor Vergnügen – neue kulturelle Figur: der getriebene Mensch, der seinen moralischen Wert durch die Arbeit zu beweisen sucht – doch keine Leistung ist gut genug, es gibt keine Vollendung Nach Luther muss sich der Mensch Glaubensfragen alleine stellen, nicht in Gemeinschaft – "Theologie des Individuums" (S.139)

Ebene der Macht: Weltliche Askese: Individuum will sich durch harte Arbeit selbst unter Kontrolle bringen – er will sich selbst rechtfertigen – Arbeitsethos immer in der Gegenwart, während er früher in die Zukunft gerichtet war – dort gingen Macht und Autorität ineinander Über Moderner Arbeitsethos ist die Teamarbeit (passend für flexible pol.. Ökonomie): Anpassungsfähigkeit, Kooperationsfähigkeit, gutes Zuhören – Autorität verschwindet Die Fiktion der Teamarbeit: Angestellte würden nicht wirklich miteinander konkurrieren und Angestellte und Vorgesetzte wären keine Gegenspieler – so wird Druck, Kontrolle und Überwachung von den Arbeitenden untereinander zur Steigerung der Produktivität ausgeübt (kollektive Verantwortung anstelle Verantwortung eines Vorgesetzten – Macht ohne Autorität ("Das Teamkonzept wurde als Förderung der individuellen Fähigkeiten der Arbeiter gepriesenen zur Rechtfertigung der flexiblen Arbeit genutzt." (S.150)) – Konzentration auf den Augenblick, Vermeidung von Widerstand, Ablenkung von Konflikten der Machtausübung "Zeit light bedeutet Zeit ohne Autorität. Wenn sie aber durch Teamarbeit organisiert ist, ist es eine machtgeprägte Zeit." (S.154)

Bedeutung der Ironie: "Ein ironisches Selbstbild ist die logische Konsequenz des Lebens in der flexiblen Zeit." (S.155) (Richard Rorty) – Ironie verhindert den Willen zu Veränderung und das Infragestellung herrschender Machtverhältnisse

Kapitel 7 – Scheitern

Scheitern als das "große moderne Tabu" (S.159)

Scheitern im Kapitalismus vorbestimmt – wenige, einzelne Gewinner fordern eine große Zahl an Verlierern

"Der Gegensatz von Erfolg und Scheitern ist eine Art, sich der Auseinandersetzung mit dem Scheitern zu entziehen." (S.160)

Karriere als Ausweg aus dem Chaos des Kapitalismus (Lippmann) – Ziellosigkeit und Gefühl der Unzulänglichkeit (dem Versagen) entfliehen, Gegenmittel zum "Drift" – Karriere biete langfristige Ziele, Verhaltensmaßregeln, Verantwortungsgefühl – Karriere als moralische Kategorie: Bewusste Absicht an die Stelle unbewussten Strebens setzen Erfolg und Scheitern = Beherrschung und Drift Bedeutung der Berufsbezeichnung für den persönlichen Status

Kurzfristigkeit und Flexibilität des modernen Kapitalismus scheinen ein Arbeitsleben im Sinne einer Karriere auszuschließen – Die Verantwortung aus den unsicheren Bedingungen doch eine Karriere (Kontinuität und Zielbewusstsein) zu schöpfen liegt allein beim Individuum, gelingt dies nicht, versagt es vor sich selbst

Bsp. IBM-Mitarbeiter: Sprechen drei Phasen ihres Scheiterns durch: zuerst geben sie der Firma an sich die Schuld (sie empfanden sich als passive Opfer), dann äußeren Kräften, wie den wirtschaftlichen Bedingungen (protektionistische Phase – ebenfalls passiv dem Wirken fremder Mächte ausgesetzt – fehlende Eigenermächtigung) und schließlich sich selbst (Wiederherstellung ihrer beruflichen Integrität, aber auch Zweifel am vergangenen Handeln) – Verantwortungsübernahme drängt die Sicht nach Innen – Am Ende ist das gemeinsame darüber-reden das, was das Tabu bricht und Erkenntnisse gewinnen lässt, denn es ist eine reale Handlung – eine tief verwirrende, schlecht definierte Erfahrung wird durch Veränderung klar und lesbar gemacht – Aufgabe des Kampfwillens, Resignation – Bewahren der Stimme wird zum einzigen, das man von sich erhalten kann – Überlebensstrategie

Foucault: "Wie regiert man sich selbst, wenn man selbst das Objekt der eigenen Handlungen ist, der Bereich in dem sie sich abspielen, das Instrument, dessen sie sich bedienen, und zugleich das Subjekt, das handelt?" (Résumé des Cours, S. 123)

Die postmoderne Zeit ist nur eine Collage aus Fragmenten, die sich ständig wandelt und immer neuen Erfahrungen öffnet – ein nachgiebiges Ich, das im Zustand ständigen Werdens besteht – es gibt keine zusammenhängende Lebensgeschichte, die alles erleuchtet – die Lebensgeschichte ist lediglich eine "Sammlung des Zufälligen und Beliebigen , des Vorgefundenen und Improvisierten" (S.181) Scheitern wird lediglich zu einem weiteren Zufall

"Das flexible Regime könnte einen Charakter hervorbringen, der sich ständig im Zustand der "Erholung" befindet." (S.184)

Kapitel 8 – Das gefährliche Pronomen

"Wir"

Vermeintliche Loslösung von Orten moderner Firmen unterstützen die oben gelisteten Phänomene. Städte scheuen sich davor ihre Souveränität auszuüben (indem sie zb. stärker besteuern) aus Angst, die Firmen könnten ihren Standort verlassen. Doch die Ökonomie steht dem Ort keineswegs so gleichgültig gegenüber: lokale, soziale und kulturelle Geographien sind für Investitionsentscheidungen von großer Bedeutung. Gemeinde (das Pronomen "Wir")beschwört die persönliche, soziale Dimension des Ortes.

Der moderne Kapitalismus (das Fehlen von Vertrauen und Verpflichtung, die Oberflächlichkeit des Teamworks, die allgegenwärtige Drohung, ins nichts zu fallen und das Scheitern daran, aus der eigenen Arbeit eine Identität zu erlangen) fördert in den Menschen das Bedürfnis nach Gemeinschaft – sie suchen dort Bindung und Tiefe. Der "Gebrauch des "Wir" [ist] zu einem Akt des Selbstschutzes geworden." (S.190) – es soll dazu dienen die Menschen vor dem modernen Kapitalismus zu schützen

Der Aspekt der Abhängigkeit: Soziale Bindung entsteht am elementarsten aus einem Gefühl gegenseitiger Abhängigkeit – doch Abhängigkeit wird im modernen K. zur Sünde, zu etwas Erniedrigendem Mit dem Argument der Flexibilität wird die Zerstörung sozialer Auffangnetze und staatlicher Hilfsorganisationen gerechtfertigt – Ideologie des sozialen Parasitismus als mächtiges Disziplinierungsmittel am Arbeitsplatz Abhängigkeit wurde als Schwäche, Unabhängigkeit als Stärke definiert – doch Selbstständigkeit liegt im Vermögen, sich auf andere zu verlassen

Ziel ist ein Zustand in dem man sich weder für seine Bedürfnisse noch für sein Versagen schämt.

Scham über die eigene Abhängigkeit untergräbt das gegenseitige Vertrauen und die Verpflichtung auf ein gemeinsames Ziel – Das Fehlen dessen bedroht die Funktion jeder kollektiven Unternehmung

Erschütterung von Vertrauen äußert sich in zwei Formen: entweder es fehlt vollständig oder es entsteht ein verschärftes Misstrauen gegenüber anderen

In modernen Firmen ist das Fehlen von Selbstständigkeit eine Drohung, den Job zu verlieren. Die Stimme der Erfahrung wird als negatives Zeichen des Alters aus dem Diskurs verbannt – sie wird zum Stigma übermäßiger Abhängigkeit

In einer funktionierenden Gemeinschaft wird der Konflikt betont. Seine beteiligten lernen, einander zuzuhören und aufeinander einzugehen, obwohl sie ihre Differenz sogar noch deutlicher empfinden – Lewis Coser: es gibt erst Gemeinschaft, wenn die Differenzen in ihr anerkannt sind – Gemeinschaft ist ein Prozess, in dem im Laufe der zeit die Differenzen ihrer Mitglieder verarbeitet werden – Bezug Smith: Routine als repetitive Handlung ohne Geschichte & Entwicklung, Sympathie dagegen als spontanes Verständnis einer Person, nach einer langen Episode des Missverständnisses

Unterscheidung mantient de soi (Aufrechterhaltung des Ichs – der Identität) und Constance à soi (Treue zu sich selbst, beschwört Tugenden wie Selbstkritik und Ehrlichkeit gegen sich und die eigenen Schwächen) – die Aufrechterhaltung des Ichs ist Tätigkeit auf ständig sich wandelndem Grund: Änderung der Bedingungen, Zugewinn an Erfahrung – Treue zu sich selbst heißt, im wesentlichen gleich zu bleiben egal, wo oder zu welcher Zeit man ist Der Treue zu sich selbst wohnt eine soziale Dimension inne, da man anderen Menschen gegenüber verantwortlich ist: Selbstwert hängt davon ab, ob sich andere auf mich verlassen können, man muss verantwortungsvoll handeln selbst, wenn ich mir der Verantwortung nicht bewusst bin und egal, wie vermisst oder zerstört mein Identitätsgefühl ist "Um verläßlich zu sein, muss man das Gefühl haben, gebraucht zu werden. Um das Gefühl zu haben, gebraucht zu werden, muss dieser andere auf uns angewiesen sein." (S.201)

Gleichgültigkeit des klassengebundenen Kapitalismus war grob materiell – Indifferenz des flexiblen Kapitalismus ist persönlicher, da das System selbst weniger definiert /lesbar ist Gefühl nicht gebraucht zu werden löst Apathie aus

Es gibt keine gemeinsame Erzählung der Schwierigkeiten und daher auch kein gemeinsames Schicksal

Veränderung beginnt im Kleinen

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